Tagestipps im Radio

Tagestipps

Samstag 18:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur

Feature

Reihe: Wirklichkeit im Radio Im Zustand der leeren Depression Geschichte einer Vergewaltigung Von Rosvita Krausz Regie: Carola Preuß Mit: Christa Rossenbach und Hans-Peter Bögel Produktion: SDR 1980 Länge: 54"30 Eine Vergewaltigung. Täter und Opfer haben sich zuvor nicht gekannt. Die Autorin erzählt beide Lebenswege. Auch über 40 Jahre nach der Produktion beeindruckt der genaue Blick dieses Features. Die Autorin beschreibt, ausgehend von ausführlichen Interviews, die Geschichte einer Vergewaltigung aus den Perspektiven des Täters und des Opfers, einer 17-jährigen Schülerin, beide im O-Ton (die Namen sind geändert). Gutachter war damals der heute noch bekannte Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch. Vom Täter hören wir, wie er die Tat geplant hat und wie sein Lebensweg vorher war. Er berichtet von Gefängnisaufenthalten, Kindheits- und Jugenderlebnissen: Sexualität sei für ihn immer eine Mischung aus Lust und Gewalt gewesen, verbunden mit Schuldgefühlen. Die Schülerin erzählt, wie die Gewalttat weitergewirkt hat. Sie berichtet von Depressionen und nächtlichen Panikgefühlen, von misstrauischen bis feindlichen Reaktionen der Eltern und der sonstigen Umgebung. Von der Gerichtsverhandlung sagt sie, sie hatte das Gefühl, dass ihre Schilderung "eine gewisse Wollust bereitete". Ein in allen Facetten dargestellter Fall, dessen Aufarbeitung bis heute exemplarisch ist. Rosvita Krausz (1945-2021), geboren in Potsdam, lebte und arbeitet in Hamburg. Die Features und Hörspiele der Hörfunkjournalistin erzählen oft von Außenseitern, Grenzgängern und Traumatisierten. Zuletzt: "Das vergiftete Glück - Depressionen nach der Geburt" (Deutschlandfunk 2021). Reihe: Wirklichkeit im Radio Im Zustand der leeren Depression

Samstag 19:00 Uhr HR2

Live Jazz

Verleihung Hessischer Jazzpreis an Christof Sänger & Preisträgerkonzert | Christof Sänger Trio Reimer von Essen (Gast) | Christof Sänger, p | Rudi Engel, db | Tobias Schirmer, dr | Reimer von Essen, kl | Hessisches Jazzpodium 2021, Kulturforum, Wiesbaden, Dezember 2021

Samstag 19:05 Uhr SWR2

SWR2 Krimi

Hoffnung ist Gift Nach dem Roman von Iain Levison Aus dem Englischen von Walter Goidinger Mit: Nico Holonics, Stefanie Eidt, Devid Striesow, Jörg Hartmann, Rainer Strecker, Anna Grisebach u. v. a. Musik: Andreas Bick Hörspielbearbeitung: Steffen Moratz Regie: Cordula Dickmeiß (Produktion: Deutschlandfunk Kultur 2020) Als die Polizei vor Jeff Suttons Tür steht, kann der Taxifahrer nicht fassen, was man ihm vorwirft: Er soll ein zwölfjähriges Mädchen entführt und vergewaltigt haben. Der angebliche Beweis: Fingerabdrücke im Apartment der Familie. Jeff Sutton wird in Untersuchungshaft genommen und landet zur eigenen Sicherheit im Todestrakt - denn als Vergewaltiger lebt es sich gefährlich. Robert, ein gefühlskalter Mörder, ist sein einziger Gefährte. Ausgerechnet er glaubt an Jeffs Unschuld. Aber glaubt Jeff selbst noch an Gerechtigkeit? Am Tag der Urteilsverkündung nimmt der Fall eine überraschende Wendung.

Samstag 22:00 Uhr Bremen Zwei

Sounds in concert: women in emotion 2021: Las Lloronas/Sophie Tassignon

Ein multinational besetztes Frauen-Terzett aus Belgien, eine belgische Vokalkünstlerin aus Berlin: die beiden Konzertmitschnitte des heutigen Abends stehen für die weite stilistische Spanne des women-in-emotion-Festivals. Beide wurden vom Publikum dankbar gefeiert: in der Music Hall Worpsede und im Bremer Kulturzentrum Schlachthof.

Samstag 22:03 Uhr SWR2

SWR2 Jazztime

Das Phänomen - Erinnerungen an den Gitarristen Pat Martino Von Karsten Mützelfeldt Am 1. November 2021 starb mit Pat Martino einer der einflussreichsten Gitarristen des Modern Jazz. Er wurde 77 Jahre alt. SWR2 Jazztime erinnert an einen in mehrerlei Hinsicht außergewöhnlichen Musiker. Unter Kollegen genoss er mit seiner spielerischen Intelligenz den Ruf eines Großmeisters. Nach Notoperationen an einem Aneuyrisma erlitt Martino einen fast kompletten Gedächtnisverlust. Nur wenig später kam er als Gitarrist zurück, was ihn auch für Mediziner zu einem Phänomen machte. In der Sendung kommt Pat Martino selbst zu Wort - und mit ihm ein nicht nur musikalisch höchst eloquenter Künstler.

Samstag 22:05 Uhr Ö1

Nachtbilder - Poesie und Musik

"Handbuch der Pflanzenkrankheiten". Von David Fuchs. Gestaltung und Redaktion: Nikolaus Scholz Geschwüre, vernarbte Stellen, Wundränder. Trockenheit, Verfärbung, verletzte Gefäße. Müde, schwere Gliedmaßen. Gekräuselte Blätter, rissige Lippen. Stamm, Torso, Wurzeln, Organe werden befallen. In David Fuchs" Gedichten verwischen die Grenzen zwischen Haut und Rinde. Unheimlich mutet sie an, die Menschen- und Pflanzenwelt, die sich nicht mehr auseinanderdividieren lässt. Mulmig wird der Leserin zumute, wenn Pflanzen- und Menschenkörper sich überlappen, miteinander verwachsen, eine poetische wie morbide Symbiose eingehen. David Fuchs" Gedichtband erscheint in bibliophiler Ausstattung mit Illustrationen von Zhon, einer in Taiwan geborenen Künstlerin und Tätowiererin.

Samstag 23:00 Uhr rbb Kultur

Late Night Jazz

Moderation: Elise Landschek Simin Tander: Jazz auf Paschtu Die deutschafghanische Sängerin Simin Tander ist eine der aufstrebenden Stimmen des jungen europäischen Jazz. In ihrer Musik vermischt sie Eindrücke aus ihrer Gegenwart und ihren mittelöstlichen Wurzeln, so singt sie unter anderem auch in Paschtu, der Sprache ihres verstorbenen Vaters. Ein Gespräch mit Simin Tander über ihren musikalischen Brückenschlag nach Afghanistan und über die schwierige Situation befreundeter Musikerinnen und Musiker vor Ort.

Samstag 23:03 Uhr SWR2

SWR2 Ohne Limit

When weather was wildlife Hörspiel von Werner Cee Mit: Neville Tranter, Freddie Wadling, Adrian, Becky und Rachel Unthank, Stian Westerhuis, Hans Hollinger u. a. Komposition und Regie: Werner Cee (Produktion: SWR 2020) Alle reden vom Wetter, alle reden vom Klima - es ist Zeit, diesen Diskurs auch künstlerisch zu führen. Werner Cees Text-Musik-Hörstück, ausgezeichnet mit dem international renommierten Prix Italia 2020, bewegt sich entlang ambivalenter Utopien, in denen der Schönheit der Naturgesetze gehuldigt und die Härte der Naturkatastrophen ideologisch legitimiert wird. Oder das Projekt hybrider Naturbeherrschung in Angriff genommen wird, das von rituelle Beschwörung des Ätnas bis zu militärischem GeoEngeenering von Regenwolken reicht. Diese Themen überführt Cee in sinnlich-verstörende Klangkunst.

Samstag 23:03 Uhr Ö1

Die Ö1 Jazznacht

Andrej Prozorov im Studio, Joshua Redman 1995 in New York City Frank Hoffmann plaudert heute mit Andrej Prozorov, dem aus Odessa stammenden Sopransaxofonisten, der vor 20 Jahren seine Zelte in Wien aufgeschlagen hat und seither u. a. in den Bands von Karl Ritter, Fatima Spar sowie in The Syndicate und in eigenen Projekten die hiesige wie die internationale Szene bereichert. Die Konzertaufnahme dieser Ö1-Jazznacht kommt aus dem legendären New Yorker Club Village Vanguard in Manhattans Greenwich Village: Dort gastierte im März 1995 der damals 26 Jahre junge Tenorsaxofonist Joshua Redman. Er spielte mit seinem aus Pianist Peter Martin, Bassist Christopher James Thomas und Schlagzeuger Brian Blade bestehenden Quartett groß auf, das Resultat wurde im selben Jahr im Rahmen des Albums "Spirit of The Moment" veröffentlicht. Gestaltung: Frank Hoffmann

Samstag 23:05 Uhr Deutschlandfunk

Lange Nacht

Geboren in Buczacz Eine Lange Nacht über Zeugen der Shoah Von Lorenz Hoffmann und Lars Meyer Regie: Tobias Barth "Ich errichte eine Stadt!" - beschließt der Schriftsteller Samuel Agnon, als er 1943 in Palästina von der Auslöschung des jüdischen Lebens in seinem Heimatort Buczacz erfährt. Große Teile seines Spätwerkes widmet der Literatur-Nobelpreis-Träger von 1966 der literarischen Rekonstruktion des ostgalizischen Schtetls, in dem er aufgewachsen ist, und der Kultur der chassidischen Ostjuden. Auch für Alicia Jurman, die mehrfach dem sicheren Tod entkommt und als Einzige aus ihrer Familie den Holocaust in Buczacz überlebt, wird das Erinnern zur Lebensaufgabe. In Büchern und Vorträgen berichtet sie über ihre Erlebnisse. Der Historiker Emanuel Ringelblum aus Buczacz sammelt alle Zeugnisse jüdischer Kultur und richtet im Warschauer Ghetto das für Forscher so bedeutende Geheimarchiv Oneg Schabbat ein. Ein vierter Kämpfer gegen das Vergessen ist der "Nazijäger" Simon Wiesenthal, der in seinem berühmten Wiener Institut einen dicken Ordner mit Dokumenten über die Morde in seiner Heimatstadt Buczacz füllt.

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